Soul Guide 427

Bodygraph erklärt: was die Formen, Farben und Zahlen in deinem Chart bedeuten

Du hast dein Chart vor dir und siehst neun Kästchen und Dreiecke, ein paar bunte Striche, zwei Spalten mit Zahlen und Planetensymbolen. Kein Mensch versteht das beim ersten Hinsehen. Hier ist der Bodygraph erklärt wie eine Legende auf einer Landkarte: jedes Element einzeln, in verständlicher Sprache, ohne Fachjargon.

Neun Kästchen und ein Haufen Zahlen

Der erste Blick auf ein Human Design Chart erzeugt bei fast allen dieselbe Reaktion: Das sieht aus wie ein Schaltplan, und niemand hat die Legende mitgeliefert. Genau die fehlt meistens. Die Beschreibungstexte erklären dir, was dein Typ bedeutet, aber nicht, warum dieses Dreieck oben weiß ist und das Quadrat in der Mitte farbig.

In diesem Text wird der Bodygraph erklärt, und zwar in der Reihenfolge, in der die Grafik aufgebaut ist. Am Ende kannst du auf jedes Element zeigen und sagen, was es ist. Das ist nicht dasselbe wie eine Deutung, aber es ist die Voraussetzung dafür, dass eine Deutung überhaupt Sinn ergibt.

Was ist der Bodygraph überhaupt?

Er ist die grafische Darstellung deiner Geburtsdaten in einem festen Schema. Aus dem Geburtszeitpunkt und einem zweiten Zeitpunkt etwa 88 Sonnengrade davor werden die Positionen von Sonne, Mond, Erde, den Mondknoten und den Planeten bestimmt. Jede dieser Positionen fällt in eines von 64 Toren. Die aktivierten Tore bestimmen, welche der 36 Kanäle vollständig sind, und daraus ergibt sich, welche der neun Zentren definiert sind.

Das Schema selbst ist bei jedem Menschen identisch. Es ändert sich nur, was darin gefüllt ist. Deshalb kannst du zwei Charts nebeneinanderlegen und Unterschiede sofort sehen, sobald du weißt, worauf du schaust.

Die neun Zentren: Formen und Positionen

Die neun Zentren sind die auffälligsten Elemente. Ihre Form ist kein Zufall, sie hilft beim Wiedererkennen.

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  • Ganz oben ein Dreieck mit der Spitze nach unten: das Kopfzentrum. Es geht um Inspiration, Fragen und Gedanken, die dich beschäftigen.
  • Direkt darunter ein Dreieck mit der Spitze nach oben: das Ajna. Zuständig für Verarbeiten, Einordnen, Meinungen bilden.
  • Darunter ein Quadrat: das Kehlzentrum. Es geht um Ausdruck und Handeln, alles, was nach außen geht.
  • In der Mitte eine Raute: das G-Zentrum, auch Selbst genannt. Richtung, Identität, Liebe.
  • Rechts daneben ein kleines Dreieck: das Herz- oder Ego-Zentrum. Willenskraft und Versprechen.
  • Links unten ein größeres Dreieck: die Milz. Instinkt, Sicherheit, ein Wissen im Moment.
  • Rechts unten ein größeres Dreieck: das Solarplexuszentrum. Emotionale Wellen über Zeit.
  • Unten in der Mitte ein Quadrat: das Sakralzentrum. Die gleichbleibende Arbeits- und Lebensenergie.
  • Ganz unten ein Quadrat: das Wurzelzentrum. Druck, Antrieb, Tempo.

Merke dir fürs Erste nur die Anordnung von oben nach unten. Oben Denken, in der Mitte Ausdruck und Identität, unten Energie und Druck. Das reicht, um sich in der Grafik zu orientieren.

Farbig oder weiß: der wichtigste Unterschied im ganzen Chart

Jedes Zentrum ist entweder ausgefüllt oder weiß. Das ist die zentrale Information im Bodygraph, und sie wird häufiger missverstanden als alles andere.

Farbig ausgefüllt heißt definiert. Ein definiertes Zentrum arbeitet laut Modell konstant und auf immer gleiche Weise. Es ist zuverlässig, unabhängig davon, wer neben dir sitzt.

Weiß heißt offen oder unbestimmt. Ein offenes Zentrum arbeitet nicht konstant. Es nimmt auf, was in der Umgebung vorhanden ist, und verstärkt es. Deshalb erleben Menschen an diesen Stellen sehr unterschiedliche Tage.

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Zwei Missverständnisse dazu, die sich hartnäckig halten. Weiß bedeutet nicht leer, fehlend oder schwach. Und farbig bedeutet nicht stark oder besser. Definiert heißt gleichbleibend, offen heißt beweglich. Beides hat im Alltag Vor- und Nachteile.

Welche Farben deine Software verwendet, ist übrigens reine Darstellungssache. Manche Anbieter nutzen für jedes Zentrum eine eigene Farbe, andere nur eine. Die Information steckt in ausgefüllt gegen weiß, nicht im Farbton.

Die Zahlen: 64 Tore rund um die Zentren

An den Rändern der Zentren stehen kleine Zahlen zwischen 1 und 64. Das sind die Tore. Jedes Tor gehört fest zu einem Zentrum, und diese Zuordnung ist bei jedem Menschen gleich.

Ist eine Zahl bei dir hervorgehoben, heißt das, dass zum Zeitpunkt deiner Berechnung ein Himmelskörper in diesem Tor stand. Man sagt dann, das Tor ist aktiviert. Ist die Zahl blass oder grau, ist es nicht aktiviert.

Die 64 Tore stammen aus dem I Ging, das 64 Hexagramme kennt. Der 360 Grad umfassende Kreis wurde dafür in 64 gleich große Abschnitte geteilt, jeder Abschnitt umfasst also gut fünfeinhalb Grad. Jedes Tor ist zusätzlich in sechs Linien unterteilt, deshalb siehst du in der Zahlenliste Angaben wie 34.2, was Tor 34, Linie 2 bedeutet.

Die Striche: 36 Kanäle zwischen den Zentren

Zwischen den Zentren verlaufen Verbindungslinien. Jede dieser Linien ist ein Kanal, und jeder Kanal hat an beiden Enden ein Tor.

Drei Zustände sind möglich, und alle drei siehst du in einem typischen Chart.

Erstens: Beide Tore sind aktiviert. Der Kanal ist durchgehend gefärbt. Beide Zentren an seinen Enden werden dadurch definiert.

Zweitens: Nur ein Tor ist aktiviert. Der Kanal ist zur Hälfte gefärbt. Man spricht von einem hängenden Tor. Es definiert kein Zentrum, beschreibt aber ein Thema, das dich anzieht, gerade bei Menschen, die die passende andere Hälfte mitbringen.

Drittens: Kein Tor ist aktiviert. Der Kanal bleibt weiß.

Daraus ergibt sich die ganze Mechanik: Tore machen Kanäle, Kanäle machen Zentren, Zentren machen den Typ. Wenn beim Bodygraph erklärt wird, warum jemand Generator und nicht Projektor ist, dann führt der Weg immer über diese Kette.

Rot und Schwarz: die zwei Spalten neben der Grafik

Links und rechts neben der Figur stehen zwei Spalten mit Planetensymbolen und Zahlen. Diese beiden Spalten sind der Grund für die zwei Farben im Chart.

Die schwarze Spalte, meistens rechts, steht für den Geburtsmoment. Sie wird oft Persönlichkeit genannt und beschreibt die Anteile, die dir bewusst sind, also das, was du an dir selbst wiedererkennst.

Die rote Spalte, meistens links, steht für den Zeitpunkt etwa 88 Sonnengrade vor der Geburt. Sie wird Design genannt und beschreibt Anteile, die laut Modell eher unbewusst wirken, also Dinge, die andere an dir bemerken, bevor du es selbst tust.

Jede Spalte hat 13 Zeilen: Sonne, Erde, Nordknoten, Südknoten, Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Pluto. Macht 26 Aktivierungen insgesamt. Aus den beiden Sonnenpositionen ergibt sich unter anderem dein Profil: Die Linie der schwarzen Sonne ist die erste Ziffer, die Linie der roten Sonne die zweite. Aus 3 und 5 wird das Profil 3/5.

Ein Beispiel: Sabine sortiert ihr Chart in zwanzig Minuten

Sabine, 45, Steuerberaterin aus Kassel, bekommt ihr Chart von ihrer Tochter geschickt und findet es zunächst absurd. Sie mag Tabellen, keine Symbolik. Was sie trotzdem dabeihält, ist die Beobachtung, dass die Grafik strikt aus den Daten folgt.

Sie geht es an wie eine Bilanz. Erst zählt sie, welche Zentren farbig sind: Kehle, G-Zentrum, Sakral und Wurzel. Dann schaut sie, welche Kanäle diese Zentren verbinden. Dann sieht sie, dass ihr Solarplexuszentrum weiß ist.

Der Punkt, an dem sie hängen bleibt, ist genau dieser weiße Bereich. In der Beschreibung steht, dass ein offenes Solarplexuszentrum aufnimmt, was emotional im Raum vorhanden ist, und es verstärkt. Sabine denkt an die Mandantengespräche im März, nach denen sie regelmäßig aufgewühlt nach Hause fährt, obwohl sachlich nichts passiert ist.

Sie hält das nicht für einen Beweis. Sie hält es für eine brauchbare Hypothese und probiert etwas Kleines aus: zwanzig Minuten allein im Auto vor der Heimfahrt, statt direkt in den Familienabend. Der Effekt ist deutlich genug, dass sie es beibehält. Mehr verlangt sie von dem Modell nicht.

Was du im Bodygraph zunächst ignorieren kannst

  • Die Pfeile am oberen Rand der Figur, die in manchen Darstellungen zu sehen sind. Sie gehören zu einer Vertiefungsebene, die für den Einstieg keine Rolle spielt.
  • Die Farbnuancen und Tonzahlen in ausführlichen Auswertungen.
  • Das Inkarnationskreuz, so interessant es ist.
  • Einzelne Torbeschreibungen. 64 Tore sind zu viel Stoff, um daraus als Einsteiger etwas abzuleiten.

Wenn du beim Bodygraph erklärt bekommen willst, was für den Alltag zählt, sind es genau drei Dinge: welche Zentren definiert sind, was daraus als Typ folgt und welche Autorität du hast. Alles andere ist Vertiefung und darf warten.

In welcher Reihenfolge liest man das Ganze?

Eine kurze Orientierung, mehr braucht es beim ersten Mal nicht.

  1. Zähle die farbigen Zentren.
  2. Prüfe, ob das Sakralzentrum farbig ist. Es ist das Quadrat direkt über dem untersten Quadrat.
  3. Prüfe, ob ein Kanal vom Kehlzentrum nach unten führt und dort ein motorisches Zentrum erreicht.
  4. Lies den Typ, der oben in deiner Auswertung steht, und schau, ob er zu dem passt, was du gerade gesehen hast.
  5. Lies Strategie und Autorität. Das sind die beiden einzigen Angaben, mit denen du morgen etwas anfangen kannst.

Was der Bodygraph nicht ist

Er ist keine Messung an deinem Körper. Nichts in dieser Grafik wurde an dir erhoben. Es sind astronomische Positionen, übertragen auf ein Schema, das 1987 von Ra Uru Hu formuliert wurde.

Er sagt nichts über Gesundheit, Diagnosen oder Behandlung, auch wenn die Bezeichnungen der Zentren an Körperregionen erinnern. Die Namen sind Metaphern, keine Anatomie.

Er enthält keine Vorhersage. In der ganzen Grafik gibt es kein Element, das eine Aussage über zukünftige Ereignisse macht.

Und er ist kein wissenschaftlich validiertes Instrument. Die Berechnung ist exakt, die Bedeutung ist eine Setzung. Der ehrliche Umgang damit lautet: als Landkarte benutzen, nicht als Diagnose. Keine Vorhersage, kein Glaube nötig.

Schau dir deinen eigenen Bodygraph an

Alles bisher Gesagte lässt sich in fünf Minuten an einem echten Chart nachvollziehen, und zwar am besten an deinem eigenen, weil du dort sofort prüfen kannst, ob eine Beschreibung etwas mit dir zu tun hat.

Du kannst dein Chart hier kostenlos berechnen lassen. Du brauchst Geburtsdatum, Geburtszeit und Geburtsort, und die Grafik öffnet sich direkt danach, zusammen mit Typ, Strategie, Autorität, Profil, Definition, Signatur und Nicht-Selbst-Thema. Nimm dir dann diesen Text daneben und geh die Legende einmal an deinem eigenen Chart durch. Nach zwanzig Minuten siehst du keine Schaltpläne mehr, sondern eine Struktur.

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